Samsung Galaxy bald in der Lage, Ihre Apps per KI zu erstellen

Samsung erkundet Vibe Coding auf seinen Galaxy-Handys: Apps durch einfache Beschreibungen erstellen, ohne eine Zeile Code zu schreiben. Anfang März 2026 entfacht diese Ankündigung die Debatte über die Zukunft von Galaxy AI und die tiefgreifende Transformation unserer täglichen Handynutzung neu.

Die Ankündigung stammt aus einem Interview von Won-Joon Choi, Leiter der Mobile Experience Division von Samsung, mit TechRadar. Sie hat nicht die Form einer offiziellen Roadmap, sondern einer zugegebenen strategischen Ausrichtung. Für einen Hersteller, der seine Geräte inzwischen als „AI Phones“ und nicht mehr als „Smartphones“ bezeichnet, passt die Idee, den Nutzern die Erstellung eigener Anwendungen zu ermöglichen, in eine kohärente Logik.

Was Samsung konkret plant

Won-Joon Chois Aussage ist präzise. „Im Moment sind wir auf vordefinierte Werkzeuge beschränkt, aber mit Vibe Coding könnten Benutzer ihre Lieblingsanwendungen anpassen oder etwas Individuelles nach ihren Bedürfnissen erstellen. Vibe Coding ist daher sehr interessant und etwas, das wir erforschen“, sagte er in einem Interview mit TechRadar. („Right now we’re limited to premade tools, but with vibe coding, users could adjust their favourite apps or make something customized to their needs. So vibe coding is very interesting, and something we’re looking into.“)

Der beschriebene Ehrgeiz geht über die reine Anwendungsentwicklung hinaus. Choi spricht von der Möglichkeit, „neue Wege zur Personalisierung des Smartphone-Erlebnisses zu eröffnen, nicht nur für Apps, sondern auch für die Benutzeroberfläche“, ebenfalls in demselben Interview mit TechRadar. Mit anderen Worten, Vibe Coding auf Galaxy könnte potenziell die tiefste Software-Schicht von One UI berühren und es einem Benutzer ermöglichen, seine tägliche Erfahrung neu zu gestalten, ohne eine einzige Zeile Code anzufassen.

Samsung hat keinen Zeitplan mitgeteilt und die baldige Einführung einer solchen Funktion auf seinen nächsten Geräten nicht bestätigt. Die Formulierung „wir erforschen“ ordnet diese Ankündigung den aktiven Forschungsbereichen zu, nicht den kommerziellen Verpflichtungen.

Vibe Coding, ein Konzept, das sich auf Mobilgeräten etabliert

Das Prinzip des Vibe Coding basiert auf einem einfachen Mechanismus: Der Benutzer beschreibt in natürlicher Sprache, was er erreichen möchte, und eine künstliche Intelligenz generiert den entsprechenden Code. Man muss weder Python, Kotlin noch Swift beherrschen. Es reicht, zum Beispiel zu schreiben: „Erstelle eine App, die mich alle zwei Stunden daran erinnert, Wasser zu trinken, mit einer benutzerdefinierten Benachrichtigung“, und die KI erstellt das funktionale Werkzeug.

Dieser Ansatz, der in der PC-Entwicklungswelt dank Tools wie Claude von Anthropic oder den Schnittstellen von ChatGPT bereits beliebt ist, beginnt nun auf Mobilgeräten Einzug zu halten. Die Offenheit von Android spielt hier eine entscheidende Rolle. Im Gegensatz zum Apple-Ökosystem, das strenge Beschränkungen für die Installation von Drittanbieter-Apps auferlegt, ermöglicht Android nativ die Installation von Apps außerhalb des Play Stores, ein struktureller Vorteil, der die Demokratisierung des Vibe Coding auf Galaxy besonders natürlich macht, wie TechRadar anmerkt.

Wenn Samsung ein solches Tool in Galaxy AI integriert, sind die praktischen Auswirkungen beträchtlich. Der durchschnittliche Benutzer, der ein oder zwei Apps pro Monat herunterlädt, ohne jemals einen Code-Editor geöffnet zu haben, könnte plötzlich zum Ersteller seiner eigenen digitalen Werkzeuge werden.

Nothing hat bereits den Weg geebnet

Samsung ist nicht der erste Hersteller, der diese Richtung einschlägt. Im Februar 2026 brachte Nothing die Beta-Version seines Tools Essential Apps Builder heraus, das zunächst auf dem Nothing Phone (3) über die Playground-Plattform verfügbar war. Das Prinzip ist identisch: Der Benutzer beschreibt in wenigen Worten das gewünschte Widget oder die Mini-App, und die KI generiert die entsprechende Benutzeroberfläche.

Die Fähigkeiten von Nothings Tool sind in dieser Beta-Phase bewusst begrenzt. Die generierten Apps können auf den Standort, den Kalender und die Kontakte zugreifen, was die Erstellung von Widgets für lokale Wettervorhersagen, personalisierte Kalendererinnerungen oder maßgeschneiderte Zähler ermöglicht. Nothing plant, diese Berechtigungen in zukünftigen Updates zu erweitern, insbesondere auf den Zugriff auf Kamera, Benachrichtigungen und Sensordaten.

Nothings Ansatz validiert das Konzept technisch, aber seine Reichweite bleibt bescheiden. Die Anzahl der Nothing-Geräte ist unendlich geringer als die von Samsung, das weltweit Hunderte von Millionen aktiver Galaxy-Smartphones zählt. Wenn der koreanische Hersteller einen ähnlichen Ansatz im großen Stil verfolgt, würde das mobile Vibe Coding schnell eine neue Dimension erreichen.

Galaxy AI, eine grundlegende Transformation

Diese Erforschung des Vibe Coding ist Teil einer breiteren Transformation bei Samsung. Seit der Einführung von Galaxy AI mit dem Galaxy S24 und der Präsentation des Galaxy S26 auf dem MWC 2026 Anfang März hat der Hersteller den Begriff „Smartphone“ zunehmend durch „AI Phone“ ersetzt, um seine Flaggschiffe zu beschreiben, so der offizielle Newsroom von Samsung. Eine Marketingpositionierung, die viel über die gewählte Richtung aussagt.

Galaxy AI integriert bereits Echtzeit-Übersetzungsfunktionen, automatische Dokumentenzusammenfassungen, KI-gestützte Fotobearbeitung und Gesprächsunterstützung. Vibe Coding wäre ein weiterer Schritt, vielleicht der ehrgeizigste, da es den Benutzer nicht nur unterstützen, sondern ihm echte Software-Schöpfungskraft verleihen würde.

Die Herausforderung für Samsung ist klar: Galaxy AI von einem Assistenten zu einem Personalisierungsmotor zu machen, der maßgeschneiderte Apps produzieren kann, während der Play Store generische Lösungen anbietet. Wenn diese Vision Realität wird, wird das Smartphone nicht mehr nur ein Bildschirm sein, auf dem man Apps konsumiert, sondern ein Werkzeug, mit dem man sie herstellt. Um die Entwicklung dieser Funktion zu verfolgen, ist die spezielle Seite für Galaxy AI im offiziellen Newsroom von Samsung die direkteste Quelle.